Aachener Tierpark: Starthilfe für den Bartgeier

Der Beitrag des Aachener Tierparks zur Rückkehr der bedrohten Art in europäische Berglandschaften

Missverstanden und gejagt

Der Bartgeier ist der größte Greifvogel Europas und zugleich einer der seltensten. Während er noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts in europäischen Berglandschaften weit verbreitet war, galt er keine hundert Jahre später in den Alpen als vollständig ausgerottet. Das zunehmende Vordringen des Menschen in seinen natürlichen Lebensraum führte zu Nahrungsmangel, Vorurteile zu rigoroser Bejagung. Vom Irrglauben, der harmloser Aasverwerter würde Beute erlegen, zeugt noch heute der Name „Lämmergeier“.

Rückkehr mit Hindernissen

Erst in den 1970er Jahren erschien eine Wiederansiedlung des Bartgeiers möglich. Die Versuche, in Gefangenschaft geborene Jungtiere in geeignete europäische Bergregionen auszuwildern, erwiesen sich als vielversprechend. Es fanden sich wieder erste Brutpaare. Doch die Population der Greifvögel vergrößert sich nur langsam, noch immer haben alle europäischen Geierarten einen hochgradig gefährdeten Status. Ihr natürlicher Lebensraum schrumpft, die Vögel fallen illegaler Jagt, Nahrungsmangel und Kollisionen mit Stromleitungen zum Opfer.

Das zweite Ei

Ein Grund für die nur langsame Erholung der Bartgeier-Population liegt im Fortpflanzungsverhalten der Tiere. Bartgeier erreichen mit fünf bis sieben Jahren die Geschlechtsreife, eine erfolgreiche Aufzucht gelingt oft erst mit acht bis neun Jahren. Obwohl ein Brutpaar nur einen Jungvogel pro Jahr aufziehen kann, legt es in der Regel zwei Eier. Das zweite Ei folgt dem ersten als „biologische Reserve“ im Abstand von einer Woche. Doch das zuletzt geschlüpfte, schwächere Küken schafft es meist nicht, sich gegen das stärkere Erstgeborene durchzusetzen. Es wird vom Fressen abgedrängt und stirbt innerhalb weniger Tage. In betreuter Gefangenschaft hat auch der zweitgeborene Jungvogel eine Chance. Statt einem könnten zwei junge Bartgeier pro Gelege heranwachsen und künftig ihre Population stärken.

Gemeinsam erfolgreich

Die Stiftung Vulture Conservation Foundation hat sich dem Schutz und der Erhaltung europäischer Geierarten verschrieben. Ziel der VCF ist es, das Überleben dieser stark bedrohten Tiere langfristig zu sichern. Die Zucht von Junggeiern in Gefangenschaft und die spätere Auswilderung dieser Vögel in ihre ursprünglichen Lebensräume sind die Basis ihrer Arbeit. Dafür kooperiert die Stiftung mit einem Netzwerk von erfahrenen Artenschützern in ganz Europa.

Aachener Kinderstube

Der Aachener Tierpark beteiligt sich seit vielen Jahren erfolgreich an Arterhaltungsprogrammen  des Europäischen Zooverbands EAZA. Als Partner der Vulture Conservation Foundation setzt er diese Erfahrung aktiv für deren Zuchtprojekt ein. In der Obhut des Euregiozoos geborene Bartgeier werden eines Tages die Geierpopulation in den Bergregionen Europas stärken. Durch sein Engagement leistet der Aachener Tierpark einen wertvollen Beitrag zur Arterhaltung und  Wiederansiedlung des gefährdeten Greifvogels in seinen natürlichen Lebensraum.

Foto: Herbert Sliwinski

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