Grundschulen

Aachen: Erfolgsmodell Offene Ganztagsgrundschule (OGS)

 

  • Im laufenden Schuljahr 2016/17 besuchen über 5000 Kinder 224 OGS-Gruppen an Aachener Grundschulen.
  • Elf Trägerorganisationen sorgen für ein breites und buntes OGS-Angebot.
  • Die Stadt investiert über den eigenen Haushalt rund 3,5 Millionen Euro jährlich in die Offene Ganztagsgrundschule. Hinzu kommen Landeszuschüsse und Elternbeiträge.

Foto: pixabay.com

Die offene Ganztagsgrundschule (OGS) hat sich in Aachen zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Im laufenden Schuljahr besuchen über 5000 Kinder 224 OGS-Gruppen an Aachener Grundschulen. „Das Thema wird bei uns in Aachen seit langem auf sehr gute, ja vorbildliche Weise bearbeitet und vorangetrieben“, sagte Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen. Rund 500 pädagogische Fachkräfte sind in den Offenen Ganztagsschulen in Aachen  beschäftigt. Hinzu kommen viele Leute, die spezielle Kurse anbieten.

 

Von den über 5000 OGS-Kindern werden 325 mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in 31,5 Gruppen an 34 Regelgrundschulen betreut. In zwei Förderschulen mit den Klassen 1 bis 6 gibt es das OGS-Angebot in fünf Gruppen mit insgesamt 56 Kindern.In 14 Grundschulen gibt es sowohl OGS-Angebote als auch das Angebot „Schule von acht bis eins“.Drei Grundschulen verzichten auf OGS-Angebote, bieten aber die „Schule von acht bis eins“ an.

 

Eine breite und bunte Palette von Trägern

In Aachen gibt es eine breite und bunte Palette von Trägerorganisationen. Elf Organisationen engagieren sich zurzeit in der OGS. Mit dabei sind der Verein „Betreute Grundschulen“ mit 11 OGS-Angeboten, IN VIA (5 Angebote), das Pädagogische Zentrum (4), die Kinder- und Jugend-Hilfe Driescher Hof (2), die Euro-Jugend (1), der Verein Zauberhut(1), die Fördervereineder Grundschulen Haaren (1) und Brühlstraße (1), die Pfarreien Christus unser Bruder (1) und St. Anna in Walheim (1) sowie die Stadt Aachen (8).

 

Alles begann im Jahr 2003/2004

In der Stadt Aachen gibt es das OGS-Angebot seit dem Schuljahr 2003/2004, mit damals 140 Kindern. Inzwischen sind 5063 Kinder angemeldet, das sind 36-mal so viele Kinder wie beim Start. Es gibt weiterhin eine wachsende Nachfrage nach Ganztagsplätzen. Deshalb wird das OGS-Angebot weiter ausgebaut. Laut politischem Beschluss sollen jährlich bis zu 15 neue OGS-Gruppen eingerichtet werden – und zwar solange, bis 70 Prozent aller Grundschulkinder OGS-Angebote nutzen können. „Doch wir gehen davon aus, dass das auf längere Sicht nicht ausreicht“, sagte Bernd Krott, Vorsitzender des Kinder- und Jugendausschusses. Die Nachfrage werde weiter steigen.

 

Stadt gibt 3,5 Millionen Euro jährlich

Die Stadt stellt finanzielle Mittel für den Ausbau, das pädagogische Personal, die bauliche Ausstattung und die Einrichtung der OGS zur Verfügung. Zusätzlich zu den Zuschüssen des Landes Nordrhein-Westfalen und den Elternbeiträgen investiert die Stadt Aachen jährlich rund 3,5 Millionen Euro in das OGS-Angebot als freiwillige Leistung. Mit diesem Engagement will sie die personelle Situation so gut wie möglich gestalten.

Sie folgt damit einem Auftrag der Politik, die parteiübergreifend entschieden hat, dass die OGS in Aachen rundherum qualitativ hochwertig ausgestattet sein soll: beim Fachpersonal genauso wie beim Raumprogramm und bei der Ausstattung der Einrichtungen.

 

Ausbau an Grundschulen geht weiter

Der weitere, politisch gewünschte Ausbau des OGS-Angebots macht es notwendig, dass die Stadt weitere Mensen schaffen muss. Denn das Mittagsessen ist ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen OGS-Konzepts. Hierzu wurden schon in fast allen Grundschulen, die einen Ganztag anbieten, Verpflegungsküchen und entsprechende Speiseräume, die teilweise multifunktional genutzt werden, eingerichtet. Überdies werden in nahezu allen Ganztagschulen die Klassenräume und die OGS-Räume multifunktional und mit speziellen mobilen Möbelsystemen genutzt.

 

Die Arbeitsgemeinschaft OGS

Die verschiedenen Trägerorganisationen, also die freienund öffentlichen Träger, die Schulen und die Schulverwaltung, haben sich in der Arbeitsgemeinschaft (AG) OGS zusammengeschlossen, auf Grundlage des Paragrafen 78 des Sozialgesetzbuchs VIII. Die AG versteht sich als ein Gremium der Jugendhilfeplanung, in dem die wichtigen OGS-Themen erörtert und Qualitätskriterien festgelegt werden.

Es gibt eine gemeinsam formulierte OGS-Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Aachen als Schulträger, den außerschulischen Partnern und den Schulen. Darin enthalten sind Aussagen zur Gestaltung der Offenen Ganztagsschulen im Primarbereich, die Aufgabenbeschreibung der außerschulischen Partner, der Bildungs- und Betreuungsvertrag mit den Eltern sowie die OGS-Förderrichtlinie.

„Die Zusammenarbeit der verschiedenen OGS-Akteure hat sich im Laufe der Jahre hervorragend entwickelt“, sagte Stefanie Koszuckivon der Arbeitsgemeinschaft OGS.

 

Die Qualitätssicherung des OGS-Angebots

Bei der Zusammenarbeit ist es immer auch um die Qualitätssicherung der OGS-Angebote gegangen. „Am Anfang gab es keine vereinbarten Standards“, so Koszucki. Die habe man sich auf der Grundlage bestehender Erlasse und Gesetze sowie der praktischen Erfahrungen im OGS-Alltag erarbeitet. Und Maria Keller, die Vorsitzende des Schulausschusses, ergänzte: „Wir haben bei der OGS zwei bis dahin separate Systeme, die Schule und die Jugendhilfe, schrittweise  zusammengeführt.“

Heute sichern die freien Träger im Rahmen von Fachberatungen die Qualität der OGS-Angebote der freien Träger vor Ort. Die Stadt Aachen garantiert gleiches fürdie acht städtischen OGS.

Grundsätzlich werden pädagogische Fachkräfte eingestellt. Alle Träger suchen beständig nach weiteren kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, was offenbar nicht einfach ist.

Die Qualitätssicherung wird in den teilnehmenden Schulen gewährleistet durch regelmäßige Teambesprechungen, pädagogische Konferenzen, Gespräche von Schulleitungen und Koordinatorinnen, OGS-Konferenzen und gemeinsame Supervision.

Alle Träger kümmern sich um ein differenziertes Angebot für die Kinder bei der musischen, motorischen, mathematischen und sprachlichen Bildung sowie beim Freispiel. Überdies sorgen sie sich um besondere Konzepte für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf.

 

Die städteregionale OGS-Konferenz

In der städteregionalen OGS-Konferenz findet ein „Qualitätsdialog“ zur Entwicklung und Sicherung der Standards statt. Hier entwickelten und verständigten sich die Fachleute auf die OGS-Empfehlungen zu den Themen „Kommunikation und Kooperation“, „Lernzeiten“, „Raumgestaltung und Lernkultur“ und „Besondere Kinder“. Alle OGS-Beschäftigten können auf ein breit gefächertes Fort- und Weiterbildungsangebot zurückgreifen. Es existiert eine enge Zusammenarbeit zwischen den OGS-Trägern und der Schulaufsicht in Person der Schulrätin Ulla Roder.

 

Aktuelle Pilotprojekte

Aktuelle Pilotprojekte gibt es zurzeit an drei offenen Ganztagsgrundschulen. In der Katholischen Grundschule (KGS) Passstraße wurden im Schuljahr 2011/2012 die ersten „Ganztagsklassen“ eingerichtet. Inzwischen gibt es für die vier Jahrgänge an der Schule jeweils eine solche Klasse, betreut von einer Lehrkraft und einer pädagogischen Fachkraft.

In der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Gut Kullen wird ein spezielles pädagogisches Raumkonzept umgesetzt: Der „OGS-Raum“ liegt zwischen zwei Klassenräumen. Die Kinder können alle Räume, auch den „OGS-Raum“, den ganzen Tag für individuelles Arbeiten oder als Rückzugsort nutzen.

Und in der Förderschule Elsassstraßeam Kennedypark wird das Angebot „OGS-Plus“ ausprobiert, eine Verknüpfung von OGS, Hilfe zur Erziehung und Eingliederungshilfe.

 

Wichtiger Kooperationspartner für die Offene Ganztagsgrundschule: der Stadtsportbund

Ein wichtiger Kooperationspartner ist der Stadtsportbund (SSB), mit dem die Stadt eine Leistungsvereinbarung geschlossen hat, die seit 2011 gilt. Der SSB betreut ein breitgefächertes Sportangebot für den Offenen Ganztag in Aachen: Fußball, Handball, Basketball und allgemeine Ballspiele, Bewegungsspiele, Tanz, Hip Hop, Leichtathletik, Schwimmen und Wasserspringen, Judo, Taekwondo, Selbstverteidigung, Ringen und Raufen, Akrobatik, Voltigieren und Reiten, Badminton und Tennis. Alle Sportangebote werden intensiv genutzt.