Theaterprojekt der „Familiengrundschulen“ sorgt für staunende Kinder und begeisterte Eltern
- Über 400 Menschen – Kinder und ihre Familien – konnten seit 2024 durch das Projekt bereits das Theater besuchen.
- Beim Theaterprojekt kooperieren die Aachener Familiengrundschulen, der städtische Fachbereich Jugend und Schule, das Theater Aachen und die Theater- und Musikfreunde e. V..
- Drei Pluspunkte: Kulturelle Erfahrungen, gemeinsame Familienerlebnisse und eine stärkere Schulgemeinschaft.
Foto: Neue Theaterfans im Spiegelfoyer des Theaters Aachen: Kinder aus der städtischen Grundschule Düppelstraße waren mit ihren Familien im Rahmen des Theaterprojekts der „Familiengrundschulen“ zur Aufführung von „Alice im Wunderland“ ins Theater Aachen gekommen. © Stadt Aachen/Andreas Herrmann
21.2.2026: Staunende Augen und begeisterte Gesichter hatten die Kinder aus der „Gesunden Familiengrundschule“ Düppelstraße bei ihrem Besuch im Theater Aachen, als sich der Vorhang hob. Für viele von ihnen, die in Begleitung ihrer Familien in das prächtige Gebäude in der Aachener Innenstadt gekommen waren, war es der erste Besuch dort – und das aktuelle Familienstück „Alice im Wunderland“ kam großartig an. „Ich fand es toll, wie Alice immer größer und kleiner wurde. Das sah fast aus wie Zauberei!“, war eines der Kinder nachhaltig beeindruckt. Auch Eltern freuten sich über das tolle, gemeinsame Erlebnis: „Es ist das erste Mal, dass mein Kind das Theater besucht, ein unvergesslicher Moment für uns!“ oder „Ich fand es wunderbar, gemeinsam mit meinen beiden Töchtern das Theaterstück anzuschauen.“
Den Besuch möglich macht das Theaterprojekt der „Gesunden Familiengrundschulen“, das gemeinsam von den beteiligten Grundschulen, den Theater und Musikfreunden e. V. und der Stadt Aachen umgesetzt und getragen wird. Der Jugend- und Kulturdezernent der Stadt Aachen, Heinrich Brötz, der das Theaterprojekt mit initiiert hatte, greift das Motto der Spielzeit auf: „Das Stadttheater hat für diese Spielzeit das Leitwort ‚Wundert Euch‘ ausgegeben; es ist großartig, dass wir mir der tatkräftigen Unterstützung der Musik- und Theaterfreunde so vielen Kindern und ihren erwachsenen Begleitungen die Welt des Wunderns, der Fantasie und der Inspiration zugänglich machen können.“
Kulturelle Erlebnisse und Stärkung der Schulgemeinschaft
Seit 2024 haben Gruppen aus den derzeit neun „Gesunden Familiengrundschulen“ in Aachen die Möglichkeit, einen solchen Besuch im jeweils aktuellen Familienkonzert oder -stück des Theaters Aachen wahr zu nehmen. Bereits im ersten Jahr konnten mehr als 150 Menschen ihre „Theaterpremiere“ feiern. 190 Kinder und ihre Angehörigen kamen 2025 ins Theater Aachen. In diesem Jahr macht die Düppelstraße mit insgesamt 80 Teilnehmenden – Rekord für eine einzige Schule! – den Anfang. „Kulturelle Teilhabe darf keine Frage des Geldbeutels sein! Für viele unserer Kinder aus dem Ostviertel ist ein Theaterbesuch keine Selbstverständlichkeit. Umso schöner ist es, dass wir ihnen durch die ‚Gesunde Familiengrundschule‘ Düppelstraße ein kulturelles Erlebnis schenken können, das sie so schnell nicht vergessen werden. Der Besuch des Stückes ‚Alice im Wunderland‘ ist eine Erfahrung, die Horizonte erweitert und nachhaltig auf das Familien- und auch Schulleben wirkt“, ist Ruth Wörmann, Konrektorin der Grundschule Düppelstraße, begeistert.
„Das Projekt entfaltet seine Wirkung auf vielschichtige Weise: Wir erreichen damit ganze Familien. Neben dem Zugang zu kulturellen Angeboten, werden so auch die Schulgemeinschaft und der Kontakt und Austausch der Elternschaft untereinander gefördert und die Familien teilen gemeinsame Erlebnisse“, ist Ulf Barteck überzeugt, der mit dem Team der kommunalen Präventionskette „kinderstark – NRW schafft Chancen“ im Fachbereich Jugend und Schule der Stadt Aachen das Projekt koordiniert. Außer dem Theaterbesuch besteht auch immer die Möglichkeit der Vor- und oder Nachbereitung der besuchten Theaterstücke oder Familienkonzerte durch eine der Theaterpädagoginnen und -pädagogen oder einer Führung durch die Theaterwerkstatt.
Interesse am Theater wecken
Niederschwellig haben die Kinder die Möglichkeit, erste kulturelle Erfahrungen zu sammeln und mit ihren Familien gemeinsam neue Eindrücke zu gewinnen. Hierzu kooperiert das Theater Aachen mit den Familiengrundschulen. Das Pilotprojekt wird überwiegend über die Theater- und Musikfreunde e. V. finanziert, die frühzeitig für 2026 erneut eine Förderung zugesagt haben. „Es ist für uns ein ganz wichtiges Anliegen, jungen Menschen zu ermöglichen, die klassische Musik und die besondere Atmosphäre des Musiktheaters zu erleben. Dort erlebt man Geschichten, Musik und Emotionen hautnah – anders als in den stets präsenten Social Media. Ich glaube auch, dass Kinder dort miterleben können, wie viel Kreativität, Können und Teamarbeit hinter einer Aufführung stecken. Es wäre doch wunderbar, wenn wir so das Interesse am Theater nachhaltig wecken könnten.“, erläutert Dr. Gottfried Behler von den Theater- und Musikfreunden das Engagement des Vereins.
Die Umsetzung und Organisation der einzelnen Theaterbesuche erfolgt durch die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Familiengrundschulen, oft zusammen mit der Schulsozialarbeit und der Koordination der Offenen Ganztagsschulen oder der verschiedenen Familienbildungsträger in den Familiengrundschulen, im Fall der Düppelstraße dem Deutschen Roten Kreuz. Die Gesamtkoordination des Projekts liegt bei der Koordination der kommunalen Präventionskette im städtischen Fachbereich Jugend und Schule. Für Soumia Taleb, Koordinatorin Familiengrundschule Düppelstraße, hat sich der Termin voll und ganz gelohnt: „Es war toll zu sehen, wie viel Spaß die Familien gemeinsam hatten. Die leuchtenden Kinderaugen und das gemeinsame Lachen zeigen mir, wie wichtig solche Ausflüge für unsere Gemeinschaft sind. Es war ein rundum gelungener Abend!“
Die „Gesunden Familiengrundschulen“
Aktuell werden neun Aachener Grundschulen als „Gesunde Familiengrundschulen“ über Landesmittel durch das Programm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ gefördert. An den Familiengrundschulen wird das Modell der KiTa-Familienzentren in angepasster Form auf Grundschulen übertragen. Die „Gesunden Familiengrundschulen“ sind somit Orte, an denen Eltern- oder Eltern-Kind-Angebote niederschwellig und kostenfrei angeboten werden. Ziel ist es die Chancengleichheit bei allen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu fördern.
Der Fachbereich Jugend und Schule kooperiert bei den „Gesunden Familiengrundschulen“ mit den Einrichtungen für Familienbildung Helene-Weber-Haus, der evangelischen Familienbildungsstätte und dem Deutschen Roten Kreuz, die jeweils drei der neun Familiengrundschulen als Träger begleiten.
Die Familiengrundschulen in Aachen: die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Am Haarbach, die GGS Driescher Hof, die Motessori-Grundschule Mataréstraße, die GGS Schönforst, die Katholische Grundschule (KGS) Beeckstraße, die GGS Gut Kullen, die KGS Am Fischmarkt, GGS Düppelstraße, KGS Luisenstraße, die KGS Verlautenheide und die GGS Walheim.
Familien im Mittelpunkt – Familiengrundschule Aachen
Pilotprojekt an den Grundschulen Am Haarbach und Driescher Hof
Herzstück ist das Elterncafé
Frühe Einbindung der Eltern ist der Schlüssel zum Erfolg
15.6.2016: Bequeme Sessel, gedeckte Tische, frischer Kaffee – und ganz viele Informationen, Beratung und ein reger Austausch, alles komplett niedrigschwellig: Dies prägt die so genannten Elterncafés, die es seit dem Beginn des laufenden Schuljahres an den städtischen Gemeinschaftsgrundschulen (GGS) Am Haarbach und Driescher Hof etabliert sind – als „Herzstück“ des Pilotprojekts Familiengrundschule. Hier treffen sich Mütter und ab und an Väter zwei Mal pro Woche zwanglos, stellen Fragen, diskutieren zu Eltern- oder Erziehungsthemen, lassen sich in Einzelgesprächen beraten, tauschen sich aber auch gegenseitig aus. „Die Eltern werden aktiv in das System Schule reingeholt“, erläutert Susanne Schwier, Beigeordnete für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport der Stadt Aachen. Die Dezernentin weiter: „Viele Familien haben Schwierigkeiten, ihre Kinder zu erziehen, aber alle wollen das Beste für die Kinder. Mit einem solchen Projekt wie der Familiengrundschule, können wir gemeinsame Erziehung und Begleitung besser gestalten.“
Der Bildungserfolg von Kindern hängt maßgeblich vom Engagement der Eltern in der Schule ab und von einer regelmäßigen und konstruktiven Zusammenarbeit von Schule und Familie profitieren alle: Kinder sind lernbereiter und erzielen bessere Leistungen, Eltern identifizieren sich mehr mit der jeweiligen Schule und die Lehrkräfte werden so im Unterrichten unterstützt. „Ich bin gerne hier, ich lerne ganz viel, ich stehe nicht mehr vor der ‚Wand‘ Schule“, so einige Aussagen der Mütter, die dankbar für die Hilfe und den Austausch sind.
Mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen im Programm „NRW hält zusammen – ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ und auf der Basis der Präventionsstrategie „KiM – Kinder im Mittelpunkt“ hat die Stadt Aachen die beiden Grundschulen im Modellprojekt „Familien im Mittelpunkt – Familiengrundschule Aachen“ entwickelt. Die Förderung ist bis zum 31. Dezember 2016 durch das Land NRW gesichert. Das Konzept der Familiengrundschule wurde nicht vorgegeben, sondern gemeinsam erarbeitet. Als sehr hilfreich haben sich gemeinsame Workshops, nach dem Motto „alle an einen Tisch“ erwiesen: Lehrer, Eltern, Einrichtungen der Familienbildung, Schulsozialarbeit, die OGS, die Sozialraumteams, Vertreter der Stadtteilkonferenzen – alle arbeiteten gemeinsam am Konzept. Sogar die Kinder wurden gefragt, was sie sich von der Familiengrundschule wünschen.
Passgenaue Angebote entwickelt
So konnten an beiden Schulen passgenaue Angebote gemeinsam mit Einrichtungen der Familienbildung – INVIA Aachen e.V., dem DRK Kreisverband Städteregion Aachen e.V. und der AWO Aachen für die Schule Am Haarbach und dem Helene-Weber-Haus und dem Martin-Luther-Haus für die GGS Driescher Hof – entwickelt werden. Diese Einrichtungen stellen auch je eine Elternbegleiterin aus der Familienbildung (Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“), sie ist die erste Ansprechpartnerin und sichert die Kontinuität des Elterncafés. Sie sucht das Gespräch, geht auf Eltern zu, organisiert mit ihnen gemeinsam Aktionen.
Vorbild sind die Familienzentren in NRW. „Sie sind eine Erfolgsgeschichte, weil Familien dort erstklassige Betreuung und Bildung sowie Beratung und Unterstützung erhalten“, weiß Annette Tiltmann, Jugendhilfeplanerin im Fachbereich Kinder, Jugend und Schulde der Stadt, die die Familiengrundschule mitentwickelt hat und nun betreut. Familienzentren stärken die Erziehungskompetenz der Eltern und verbessern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Beim Wechsel von der KiTa zur Grundschule geht für die Eltern diese intensive Beratungs- und Unterstützungsstruktur zu einem großen Teil verloren“, so Tiltmann. Sie fühlen sich in vielen Erziehungsbereichen – besonders mit dem Blick auf die schulische Sozialisation – überfordert. Trotz intensiver Elternarbeit fehlen den Grundschulen Ressourcen, um diese wichtige Beratungs- und Unterstützungsfunktion für Familien gewährleisten zu können. Bei den beiden Grundschulen hat Tiltmann damit offene Türen eingerannt: „Ich habe nicht lange nachgedacht und zugesagt“, erklärt Monika Hendrichs, Leiterin der GGS Am Haarbach. Schon lange habe man von einem „Elterncafé geträumt“. Schnell war die Idee geboren, dies zum Herzstück der Familiengrundschulen zu entwickeln. „Als Schule für Familien haben wir uns immer schon gesehen, aber durch das Projekt arbeiten wir jetzt strukturierter, haben Personal dafür“, berichtet Jürgen Gerhards, Schulsozialarbeiter an der GGS Driescher Hof.
Eltern in der Familiengrundschule
Die Einbindung von Eltern bereits in die Planung und die Umsetzung ist ein zentraler Schlüssel für die Familiengrundschule: Eltern, wissen selbst was sie brauchen in ihrer Lebenssituation. Und Eltern eröffnen anderen Eltern neue Zugänge: sie helfen sich untereinander, tauschen sich aus, beraten sich gegenseitig. Als Mentoren können sich Eltern mit den bestimmten Themen wie Übergangsbegleitung zwischen KiTa und Grundschule, Vorlesepaten und Musik einbringen. Die Bereitschaft der Eltern an beiden Schulen sich ehrenamtlich zu engagieren, ist hoch. Und die Einbindung der Eltern in die Workshops führt zu einer guten Verankerung der Familiengrundschule: Es ist nun auch „ihre“ Familiengrundschule, sie sind aktiver Partner im Prozess. Das Elterncafé ebnet neue Zugänge zum vorhandenen sozialen Unterstützungsnetzwerk und zur Schule. Die Eltern sind in der Schule herzlich willkommen, gestalten mit und werden zum konstruktiven Bildungsbegleiter ihrer Kinder.
Erste Ergebnisse zeigen den Erfolg
Der Start der Familiengrundschulen ist gelungen. Die Schulen haben sich geöffnet, eine Willkommenskultur für Eltern entwickelt. Die Resonanz ist grundsätzlich positiv: Die Eltern tauschen sich aus, es finden intensive Gespräche mit den Fachleuten statt. Die Bandbreite reicht von „Wie gestalte ich den Kindergeburtstag?“ zu „Kommunikation in der Familie“ oder „Wie und wann setze ich meinen Kindern Grenzen?“. Es gibt weiterführende Kurse im Übergang KiTa und Grundschule für Eltern: „Wie funktioniert die Schule?“, heißt ein neues Angebot, über Spenden finanziert. Der Elternkurs „Starke Kinder – Starke Eltern“ bereichert die Eltern an der GGS Am Driescher Hof. Durch externe Ehrenamtler wird montags und dienstags im Rahmen einer Kooperation mit Sozialraumakteuren Unterstützung beim Lernen in und außerhalb der Schule angeboten. Die Information und Vermittlung von Sport- und Kulturangeboten für Kinder und Eltern dient der Vernetzung im Quartier und fördert Bildungs- und Teilhabe.
Auch die Kinder freuen sich, dass ihre Eltern nun in der Schule – einfach so – willkommen sind und nicht nur bei Schulfesten, Sprechtagen oder Elternabenden. Die Schulsozialarbeiter werden vermehrt von Eltern um Rat gefragt. Die konstruktive Zusammenarbeit von freien Trägern der Familienbildung, den Akteuren im Sozialraum, der Stadt Aachen, den Schulen und den Eltern, hat diese Erfolge möglich gemacht: Eltern und Grundschule sind in der Familiengrundschule näher „zusammengerückt“.
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